Bernd-Michael Land | Meeresgrund

Kein Album für den Strand. Aber eins für die Reise zur See.

Meeresgrund-Logo-300x284Bernie hatte leichtes Spiel mit mir. Ich liebe die See, die endlose Weite, den stetigen Wind. Ich mag es, wenn der Blanke Hans über die Küste hereinbricht, und ich gleichzeitig voller Glück und Furcht auf dem Deich stehe, und mich gegen den Wind stemmen kann. Glück, weil der Wind, und die rasenden Wolken, und die aufgewühlte See mir den ultimativen Beweis geben das ich tatsächlich lebe. Und Furcht, weil ich mich an solchen Tagen oft kaum auf den Beinen halten kann, und weil mein Leben, wäre ich denn inmitten dieser schäumenden See, schnell zu Ende sein könnte.

Und Bernd-Michael Land, der Mann mit der endlosen Wand Modularsynthesizer, der von allen meinen Instrumentenwünschen mindestens ein Exemplar im Studio stehen hat, der, was die Klangerzeuger angeht, getrost als der Hans Zimmer unter den heimischen EM-Lieferanten durchgehen kann, eben dieser Bernd-Michael Land hatte es — genau genommen — nicht leicht mit mir. Denn das Thema „Meer“ ist bei mir schon mit einem wahrhaftig phantastischen Elektronik-Album besetzt.

 

Mein bisheriger alleiniger Favorit in der Sparte „elektronische Wassermusik, Kategorie Meer“ war bisher unangefochten „Aquatique“ von The Voyager Project. Als CD ist es nicht mehr zu bekommen, aber iTunes hat es noch als Download. Nichts hat bisher die Tiefe und Weite der Unterwasserwelt mir besser akustisch näher bringen können als dieses Album.

Und dann kommt „Meeresgrund“. Und das Album will gar nicht schön sein, oder entführen, oder Sehnsucht wecken. Das Album trägt den Namen „Meeresgrund“, weil es um einen fundamentalen Teil des Alltags im Meer geht: Um den Dreck. Die Unmengen Plastik die dort herum schwimmen, das Öl, das sich wie dicke Regentropfen auf den Grund herabsetzt. Überhaupt, der ganze Müll der Landlebewesen, achtlos verklappt und dann vergessen. Eben um die Verschmutzung dieses riesigen Lebensraums. Bernd hat dazu einige Wege beschritten, die nicht ganz konventionell sind, ihm aber tatsächlich mal wieder ähnlich sehen.  Die Vorbereitungen zum Album starteten schon 2013, und hatten — natürlich — mit ungewöhnlichen Klängen zu tun. Diese lange Vorbereitungszeit hat sich gelohnt, denn sie sind ein wichtiger Teil des Werkes geworden. Nicht nur Schmuck, sondern Substanz.

Phonophon-15

Apropos Klänge. Meeresgrund ist sicherlich ein Album das ich uneingeschränkt für die heimische Audiothek empfehlen kann. Tatsache ist aber, Meeresgrund ist live ein wuchtiges Erlebnis in diskreter 4-4-4 Quadrofonie. Es geht bei diesen Konzerten nicht nur um die Musik, oder um die Klänge. Bernd-Michael Land baut mit dem Quadrofonie-Konzept Räume in den Konzertsaal. Oder besser gesagt, um erlebbare Unterwasserwelten. Und das geht auf CD oder als Download nicht. Immerhin, die Stereomischung gibt einen deutlichen Hinweis auf das erwartbare Live-Erlebnis. Die Aufnahme ist schlicht perfekt.

Meeresgrund spielt mit vielen Klängen, die vermeintlich bekannt sind, sich dann aber immer wieder neu eröffnen. Ähnlich aber wie von Rieke Caspar im Flächenklang-Interview zu Contact angemerkt, gibt es immer wieder Elemente die stören, die auch mal verstören. Leider, und damit kommen wir zur Kehrseite der Medaille, gelingt ihm das nur teilweise. Am Ende ist „Meeresgrund“ doch ein Album das schön ist, einen entführt, und Sehnsüchte weckt (zumindest bei mir). Immerhin, das tut es auf eine Weise die das Album Aquatique von Thomas Brück deutlich auffordert, auf dem Siegertreppchen etwas Platz zu machen. Dort stehen nun zwei Alben nebeneinander, bereit meinen Träumen über die See einen Soundtrack zu verleihen.

Und dafür hebe ich meinen Hut und sage, Chapeau, Monsieur Land. Und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel …

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