Album der Woche: Rudolf Heimann | Into the Unknown

Wie kann eine CD die so viel so falsch macht, Album der Woche werden? Ganz einfach …
Rudolf Heimann hat es mir richtig schwer gemacht mit seinem Album Into the Unknown. Kilian Schloemp-Uelhoff, der Mann hinter dem Syngate-Label, hat mir Anfang 2014 die CD als Empfehlung für eine Rezension auf dem damals frisch aus der Taufe gehobenen Flächenklang-Magazin gesendet.

Als ich die CD dann  zum ersten Mal in den Player schob, wurde ich von den Klängen einer TR-606 Drumatix empfangen. Die hatte ich selber ein paar Jahre, und ihre Popularität in der aktuellen Szene der Electronic Dance Music  geht mir aber sowas von vollkommen ab. Das Teil klingt in meinen Ohren einfach schäbbig.  Aber damit nicht genug. Der Bass hatte für meinen Geschmack viel zu viel Höhen, und dann war da noch die Flöte.

Nach der Flöte ging bei mir gar nichts mehr. Und damit meine ich nicht, das da nicht der — wie ich finde — notwendige Hall fehlte. Es war viel schlimmer. Und hier wurde es für mich richtig peinlich. Die Flöte, Klang und Spielweise, erinnerte mich an eine meiner großen Jugendsünden. Und zwar an meine Cusco-CDs. Cusco, dem unsäglichen New-Age-Instrumental-Musikproject von Kristian Schultze und Michael Holm. Letzterer war der Schwiegermutter-Star der 1970er Jahre und brachte mit Mendocino und Tränen lügen nicht unfassbar schwülstige Schlager heraus. Und Kristian Schulze ist nicht der Bruder von Klaus Schulze, sondern Komponist von Filmmusik für unter anderem Filme wie Zur Sache, Schätzchen, und Nicht Fummeln, Liebling. Immerhin, er war auch Keyboarder in Klaus Doldingers Passport. Das relativiert manches.

 

Sorry Rudolf, falls Du das hier hörst, aber nach der Flöte musste ich die CD schon mitten im ersten Stück wieder aus der Schublade entfernen. Auch später passieren Dinge, die –nun sagen wir mal– abgedroschen daher kommen. Da sind gregorianische Mönchssimulanten, Apachen-Kriegsgeschrei, Düsenjägersounds, der irgendwie unvermeidbare NASA-Sprechfunk mit dem Houston-Kontrollzentrum, und einige fragwürdige Synthesizer-Presetklänge. Ich denke, es ist klar geworden was ich meine.

Stellt sich natürlich die Frage, wie kann so was Album der Woche werden?

Ganz einfach. Alles das ist auf eine Weise genial zusammengestellt, dass ich mich dem Album seit zwei Jahren einfach nicht entziehen kann. Ja, bei der Cusco- Flöte kräuseln sich mir immer noch manchmal die Fußnägel. Aber bei dem Nasa-Funkverkehr zieht sich mir nicht mehr der Magen zusammen. Alles das kommt in einem so angenehm-unschuldigen Arrangement daher, das mich einfach gefangen nimmt. Wo andere die Mönche reinbringen um von ihrer eigenen schlampigen Komposition abzulenken, platziert sie Rudolf Heimann an die exakt richtige Stelle, und veredelt damit das ganze Stück.

Und damit lässt sich auch schon am besten umschreiben was einen auf Into the Unknown erwartet. Schlichte elektronische Musik, die nicht den Effekt sucht, oder mit den oben genannten Dingen ablenken will, sondern die sich ihrer perfekt bedient. Into the Unknown ist für mich in so fern ein Eintauchen in das Unbekannte geworden, als dass ich vieles vermeintlich Wohlbekannte heute ganz neu sehen kann.

Das Album der Woche wird kommende Woche auf Modul303 in voller Länge gespielt.

Into the Unknown auf Syngate kaufen


PS: In der Rubrik „Album der Woche“ möchte ich jede Woche ein Album vorstellen, das mir in dieser Woche aufgefallen ist. Es muss keine Neuvorstellung sein. Wenn Du einen Tipp hast wo ich mal reinhören sollte, immer her damit …

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