Reaktionen auf „Die traditionelle elektronische Musik ist tot. Fast …“

„Ich kann diese ganzen Szenen nicht ausstehen, egal ob es EM, Techno oder sonst was war.“

Avatar 2015-01-25War das ein Wochenende! Es gab hier in drei Tagen mehr Zugriffe als sonst in drei Monaten. Es gibt überraschend mehr Follower, und das von mir angesprochene Thema hat sogar über Flächenklang hinaus Wellen geschlagen.

Nun, wo sich die Wogen wieder langsam glätten, wird es für mich Zeit zu sichten was Andere über das Thema denken. Das ist nicht nur Kritik, und nicht nur Zustimmung. Aber der Reihe nach …

 

Hier vorab-Reaktionen auf Facebook zur Artikelankündigung

„ …allgemein ist FB nur zum liken da, sonst gäbe es ja einen dislike button. Meine Erfahrung sagt mir aber, kritisiere keine Künstler hier auf FB und schreibe keine schlechten Kritiken, auch wenn sie Konstruktiv und angebracht wären.“

„Es macht die Szene glaubwürdiger, es macht Neugierig und den Künstler vielleicht nachdenklich, was aber nicht schadet, das gehört zum Musik machen dazu, wer das als Musiker nicht aushält darf seine Musik nicht der Öffentlichkeit präsentieren.“

„Bin ich Pessimist oder Realist, wenn ich annehme, dass die meisten aktuellen Künstler in der EM negative Kritik als Ignoranz seitens des Kritikers abtun würden?“

„Aber eigentlich ist es schon dämlich, negative Kritik unter der Ladentheke zu halten.Und mit Kritik meine ich Kritik und kein „Bashing“. Letzteres findet man auf FB dann doch öfter.“

Erste Reaktionen auf Facebook in diesem Thread

„Hm, so, und wo ist nun die Provokation?“

„wow. klasse artikel. wurde höchste zeit. ich unterschreib dir jedes wort!!!“

„Ich finde das jetzt nicht so abwegig.“

… und in diesem Thread

„signed!“

„Sehr zu Nachdenken anregend! Prima“

Ich kann nichts da mit anfangen, em ist nicht tot… nur die fans…. Jungleute haben keine zeit mehr für musik, die wollen nur spotify music anhören.
Dabei nicht nur em-konzerte sterben aus, auch metal und punk konzerte bekommen immer weniger Zuschauer . und ich glaube es ist gut so. Wer will noch hundertjährige Musiker anschauen….. Jeder Generation braucht seine eigene wegen um die zeit gut zu machen.“

„… allerdings kann ich gut nachvollziehen dass die kids nicht mit dem albackenen verstaendnis von emusik anfangen kann. klar..eberhard schoener klingt fuer uns immer noch wie ein meilenstein .. ist aber im vergleich zu edm oder ableton geschnipsel schlichtweg von gestern. …“

sehr guter Artikel und höchst interessantes Thema! Ich denke man kann vorab sagen das die Zeit vorwärts geht und nicht stehen bleibt, und das ist auch gut so! Die E- Musik ist heute, nach ca. 40 jährigen Bestehen meiner Meinung nach komplett ausgereift, und kann weder großartig verbessert noch neu erfunden werden, jeder Ton, jede Note, alles war schonmal da und wurde gespielt. Klar als damals alles neu war, die neuen Instrumente und Möglichkeiten, die ganz neuen Klänge welche noch nie jemand vorher hörte, war es natürlich eine kleine Gruppe die dies inspirierte, es ausprobieren wollte, und daraus bis heute eine wundervolle Musik entstanden ist! …“

„Das tut einem ja im Herz weh.“

„Es liegt nicht an der elektrischen Musik auch nicht an den Fans.Ich denk mal da gibts mehr als genug begeisterte Menschen die elektronische Musik gut finden und auch noch in 50 Jahren gut finden werden.“

Hier gibt es einen Thread auf Facebook, der sich um eine zufällig zeitgleiche Veröffentlichung eines Jarre/Vangelis-Albums, wie ich sie im Artikel als negatives Beispiel anführte, auf Youtube dreht. Besonders lesenswert an diesem Thread ist die unterschiedliche Einschätzung vom Wert dieser Vermarktungsform.

 

Einen Tag nach der Artikelveröffentlichung startete im Forum von sequencer.de ein Topic mit dem Namen „Zur Qualität synthetischer Musik“, der den Flächenklang-Artikel zum Anlass nahm. Aktuell hat der Topic 158 Beiträge, die zudem deutlich mehr Facetten des Themas beleuchten, aber ausserhalb des hier besprochenen Bereiches liegen. Er ist sicherlich in seiner ganzen Länge lesenswert.

„Interessanter Artikel, es gibt also tatsächlich noch Menschen, die sich über so etwas überhaupt noch Gedanken machen! Die Frage ist allerdings, wen er damit noch erreicht? Denn Leute, die sowas nachvollziehen können, wissen das meist selbst, aber die Leute, welche er kritisiert, interessiert sowas doch überhaupt nicht.“

„Was will er? Das 47000 das Rad neu erfinden? Schicken wir doch mal High Speed Internet in die späten 70er und schauen wie sich Herr Vangelis und Co. da durchsetzen können. Das Verhältniss zwischen Qualität und Ausschuss ist nachwievor dasselbe. Er sollte mal lieber einen Weckruf an sich selber schicken.(Hallo 2015)“

„Ne Kritik ist für mich auch was anderes. […] Das hat soviel Aussage, wie: Modern is Scheiße, alt ist gut. Warum werden sich nicht mal laut Gedanken darüber gemacht, was denn das Besondere der echten Klassiker ausgemacht hat?“

„Perlen aus dieser Zeit (Gegenwart) zu finden ist voll schwer.Ich kaufe daher zu 99% nur Platten aus vergangenen Jahrzehnten (hauptsächlich frühe bis mitte  achziger) Aber mal ganz Ehrlich, ich gehe jetzt lieber auf Perlensuche als mir die Texte in so einem Sinnlosen Thema reinzuziehen.“

„Ich weiss nicht so genau, wie ich über festhalten an Altem“ denken sollte. Eigentlich ist es auch gut, wenn es neue Dinge gibt und heute gibt es genug Musik, die zu etwas passt, was Flächenklang heißt, also Ambient im weiteren Sinne. Ecke Stieg machte am MI 3 Stunden Musik (in „Grenzwellen“, Stream / Radio Hannover), die da eigentlich rein passen würde. Würde also sagen – vielleicht nicht nur bei TD und Jarre gucken? Gibt auch andere Szenen und Musiker die da passendes liefern. Da geht nichts den Bach runter, der Mensch sucht nur Musik, also – das kann er haben.“

„… nicht nur Produktionsmittel sondern auch Vertriebsmöglichkeiten auf Grund der niedrigen Kosten
[stehen] vermehrt denen zur Verfügung […], die weniger talentiert und auch weniger interessiert sind
und vor allem sehr viel weniger bereit sind, Zeit und Energie in welcher Form auch immer zu investieren.“

„Ich beziehe mich mit dem „Lasst-Das-Zeug-Bloss-Zuhause“-Statement schon auf die „Verwerter“ der alten Sachen wie TD, Jarre, Schulze und Co. Das alte Zeug braucht niemand mehr zum x-ten Mal aufgewärmt, höchstens für sich zu Hause. Da habe ich leider weiter oben nicht differenziert. Es gibt schon interessante neue Sachen, ohne mich jetzt in Beispiele zu vertiefen, aber in der heutigen Zeit sind die Grenzen
auch wesentlich fliessender als zu TD und Co.-Zeiten. Aber meiner Meinung nach dient das meiste veröffentlichte Zeug, egal in welcher Form, nur selbstdarstellerischen Zwecken. Was man im Einzelnen in diesem ganzen Wust dauerhaft gut finden kann ist leider schwer zu finden.“

„Würde ich weitgehend zustimmen, ich denke aber auch das alte Zeug hat durchaus seinen Platz.
Das muss ja nicht so hohl wie in der klassischen Musik sein. Man geht ja auch ins Museum. Liest einen Roman dessen Autor schon verstorben ist. Schaut einen alten Film. Warum auch nicht. Bei den neuen Sachen habe ich aber das Gefühl Innovation oder auch nur Authentizität fallen seit ca. 2001 aus. Das ist wie mit Klamotten von H&M.“

„M. E. gibt es heute einfach mehr von allem. Es gibt mehr gute Musik und mehr schlechte Musik. Und es ist auch jede Epoche gleichzeitig vorhanden. Für jeden Vintage-Vibe gibt es eine Szene und genauso gibt es auch viel Neues. Schwieriger ist es geworden, aus der Flut dessen, was es gibt, das Relevante herauszufiltern, auch weil es keine Leitmedien mehr gibt, die uns das abnehmen. Wenn sich früher etwas im WDR-Fernsehen und -Hörfunk durchgesetzt hatte, dann war ein gewisser Erfolg so gut wie sicher. Und da die Macher der entsprechenden Sendungen durchaus keine Idioten waren, war eine gewisse Qualität auch vorhanden. Heute hat kein Sender, keine Zeitschrift, kein Blog, kein Forum mehr einen so großen Einfluss, wie es in den 70ern der öffentlich-rechtliche Rundfunk hatte. Ob das gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Der Artikel liest sich demzufolge doch sehr wie die Klage eines alten Mannes, dass der Musikstil, den er seit seiner Jugend nun einmal besonders liebt, sich in der Zwischenzeit etwas überlebt hat. Ich kenne solche Gedanken von mir selbst auch, aber ich meine, man sollte sie sich besser verkneifen.“

„Es ist schon nicht unwesentlich, den Aufbruch miterlebt zu haben, als diese Art an Musik wirklich neu war, verbunden mit neuartigem Instrumentarium, um solche „Klagen“ führen zu können. Es entstand ein Paket mit Musik, das eigentlich voll und geschlossen ist. Die oftmals dilettantischen Versuche, zu diesem Paket noch vermeintlich Wichtiges beizutragen, sind der Grund des Artikels.“

„Der Artikel hat sehr viel von: „Achtung, auf der A46 befindet sich ein Falschfahrer“. „Einer? Hunderte!““

„ …und klar wurde deren musik schwach über die letzten jahre. man kann doch nicht von einer kleinen szene von über 50 jährigen die musik und kreativität von einer masse von 20-40 jährigen erwarten… geht’s noch? die traditionelle musik ist mehr oder weniger vorbei! kein nachwuchs, punkt aus ende!!!“

„Früher haben sich die Leute ein Klavier gekauft, Unterricht genommen und dann im stillen Kämmerlein die gängigen Kompositionen anderer nachgespielt. Heute kaufen sie sich Instrumente, die auf die variantenreiche Reproduktion bestimmter erfolgreicher musikslischer Stilrichtungen spezialisiert sind, veröffentlichen dieses akustische „Malen nach Zahlen“ auf SoundCloud und YouTube und verstopfen so die Wahrnehmungskanäle.“

„Ich kann diese ganzen Szenen nicht ausstehen, egal ob es EM, Techno oder sonst was war.“

„Hier wird offensichtlich Zwanghaft aus Frust ein Schuldiger für Erfolglosigkeit gesucht.
In all der Zeit hätte man schöne Musik machen können.“

„- Shut up and play = wenig reden, viel spielen
– Eigener Style = Identität herausstellen
– Handwerkszeug beherrschen = Konzentration auf den musikalischen Inhalt
– inspirieren lassen von Kollegen, die das alles schon drauf haben = dazulernen
– gemeinsam Musik machen = Sozialkompetenz entwickeln
– auf Anerkennung pfeifen = seine Eitelkeit reduzieren
– it’s the melody, stupid.“

„Daß diese Szene untergeht, liegt nicht zu allererst an der Musik selbst oder Stilen, sondern an der Eitelkeit derer, die sich der Musik bedienen, um sich ihr nach Anerkennung und Relevanz ausgehungertes Ego füttern zu lassen — und dem mangelnden Willen zur Selbstkritik seitens der Macher: Jeder muß jeden Furz, den er läßt, sofort im Raum verteilen und sich dafür beklatschen lassen, und jeder hat heute ein Stromklavier und ist Klangforscher. Alle müssen es toll finden, denn Kritik zu üben — von Außen wie von Innen (Selbstkritik!) — ist nicht erwünscht und wird als Nestbeschmutzung wahrgenommen. Die Frage, warum die Szene so klein geworden ist, läßt sich einfach beantworten: Selbst in den größten Arsch passt nur eine begrenzte Anzahl Kriecher. Außerdem werden die alle immer älter, hören immer schlechter und werden überdies immer altersstarrsinniger. Wenn sie nicht gerade von selbst wegsterben, heißt das.“

„einerseits finde ich es gut, dass da einer aus der szene den mund aufmacht! als wir die kritik hatten zum schallwelle award hier im forum hatten war mir klar, dass dies eine extrem kleine wirklich aktive szene sein muss. schön wurde das von einem insider bestätigt, aber wirklich überraschen wird das wohl niemanden.
ein 40 jähriges musikgenre ohne nachwuchs und ohne grosse konzert- und clubszene gehört irgendwann einmal zum alten eisen. that’s life!“

„Jeder Musiker wird weiterhin seine Musik machen und im Idealfall ist das die Musik, die ihm am Herzen liegt. Ob das von wem auch immer inspiriert wurde, ist dabei doch scheißegal, solange es nicht in erster Linie um die Befriedigung des eigenen Egos geht.“

„So ist das Herstellen möglichst massenkompatibler Musik ebenso käuflich geworden wie das Gefühl, schöpferisch tätig geworden zu sein. Mit einer individuellen Kunstausübung, die einem „am Herzen“ liegt, hat das aber nichts mehr zu tun, sondern vor allem mit der „Befriedigung des eigenen Egos“, oder ganz kurz zusammen gefasst: Ich habe dieses Instrument gekauft, also bin ich ein Star. […]  Die Gruppe „Kraftwerk“ hat bei ihrer „Computerwelt“-Tournee 1981 während des Stücks „Taschenrechner“ das Publikum auf kleine Musikgerätchen drücken lassen. Ralf Hütter soll dazu gesprechgesangt haben: „Jeder kann Musik machen.“ Was mir damals als Verheißung erschien, kommt mir mittlerweile eher wie ein Fluch vor, ähnlich dem Klassiker aus China: „Mögest Du interessante Zeiten erleben.“

„es gibt aber auch in der EM szene aktuell noch gute sachen. aber es gibt , so meiner kenntnis nach, kein autoritäres bewertungs- und qualitätsportal, welches eine gültige auswahl trifft und so die suche nach gutem verkürzt“

„Der Mann hat absolut Recht! Unterschreibe ich voll! Verfolge die Elektronische Musik seit Anfang der 70er Jahre (TDs Lightshow bestand lediglich aus 2 Räucherstäbchen, recht u links auf der PA, Froese an der Gitarre…das nur so erwähnt..irrelevant zum Artikel, reine Historie). Danke.Weiter so. edit: schon schön, wie sich hier viele angepisst fühlen…interessant“

„Ich denke der Mann sollte sich mal locker machen. Für mich klingt das nach: alles außer Berliner Schule ist kacke .Bei einem Punkt hat er aber recht. Die Gradwanderung zwischen einer guten hypnotisierenden Sequenz und „gedudel“ ist echt schwer.“

„These: Würde man die Instrumentenentwicklung ab sofort stoppen und den jetzigen Stand einfrieren, würden sich über kurz oder lang bestimmt 2/3 der „User“ ein anderes Hobby suchen und aus dem restlichen Drittel würden sich nach und nach die echten Musiker und Könner herauskristallisieren. Die Entwicklung neuer musikalischer Ideen ist dann sozusagen eine Überlebensfrage.“

Alles in allem bin ich überrascht vom hohen Anteil an konstruktiver Kritik. Ich sehe darin einen Beweis für die Lebendigkeit der Szene, die ich im Artikel noch als fast tot bezeichnet habe. Ich freue mich, wenn mein Artikel zu neuer Musik anregt, zu einer neuen Einschätzung der Werke, und zu mehr und größeren Konzertveranstaltungen. Wie gesagt, ich liebe diese Musik. Sie hat volle Häuser und großes Publikum verdient.

Tom von Flächenklang.


Noch ein Hinweis zu den Zitaten. Ich habe versucht nach bestem Wissen und Gewissen unvoreingenommen positive wie negative Stimmen aufzunehmen. Ich will nicht werten, sondern zum Denken anregen. Nicht aufgeführt sind auch  Zitate die nicht im Artikel angesprochene Themen behandeln, oder es nur am Rande streifen. Die Zitate sind teilweise aus umfangreicheren Beiträgen entnommen. Auch hier habe ich versucht den Tenor des Beitrages nicht zu verfälschen. Alle hier aufgeführten Beiträge sind öffentlich im Internet zu erreichen. Wer wissen will, wer hinter einem Zitate steht, möchte bitte direkt im verlinkten Eintrag nachsehen. Wenn jemand trotz öffentlichem Zugang zu seiner Aussage hier nicht mit seinen Worten aufgeführt werden möchte, oder jemanden falsch oder verfremdet zitiert wurde, sende er oder sie mir bitte eine kurze Nachricht mit dem entsprechendem Zitat an info@flaechenklang.de. Ich werde das Zitat dann entfernen, bzw. korrigieren. Herzlichen Dank.

 

 

1,489 total views, 2 views today