Konzert: TMA and Friends | Electronic Synthesizer Rock

„Ich könnte mich nie hinter einer Burg verstecken und meinen Kopf in einen Laptop stecken. Das ist nicht meine Art Musik zu präsentieren.“ TMA and Friends luden in die Solinger Galerie „Pest Projekt“ zum Electronic Synthesizer Rock, und die Hütte war voll. Licht aus, alle Regler auf 10. Es geht ab …

02

 

Torsten Abel gehört für mich mit zu den aktivsten Mitgliedern der traditionellen deutschen EM-Szene. Unter dem Namen TMA hat er bereits eine Vielzahl von Alben herausgebracht, zuweilen mit Unterstützung vom Gitarristen Martin Rohleder oder dem Keyboarder Wolfgang Barkowski (Alien Nature). Torsten ist live bei vielen Veranstaltungen zu sehen. Er spielt in der Dortmunder Pauluskirche das Programm Klänge für die Seele, improvisiert im Unperfekthaus in Essen mit dem Ambient Circle und ist Teil des Ensembles der Sternentraumreise. Habe ich was vergessen? Bestimmt!

Vor einiger Zeit wurde die Kollaboration mit Martin Rohleder und Wolfgang Barkowski um den Schlagzeuger Thomas „Tommy“ Betzler ergänzt. Seitdem spielt Torsten Abel als Häuptling von TMA and Friends live und auf CD. Das Quartett hatte im April 2013 auf dem E-Day in Oirschot (NL) einen ersten Auftritt, aus dem dann, zusammen mit weiteren Aufnahmen eines Auftritts im Sommer 2013 in Hamm, das Album 4F live entstand.

Ende August 2014 luden dann TMA and Friends wieder zum Konzert. Dieses Mal nach Solingen in die Galerie „Pest Projekt“ des Künstlers Peter Amann. Eingebettet in das gemeinsame Event „Lascivité et L’amour“ der Galerien der Solinger Güterhallen boten die Vier am Samstag Abend ab 20 Uhr elektronischen, progressiven Instrumental-Rock, ruhige, melancholische Balladen und experimentell angehauchte Klangskulpturen.

Unter anderem aus diesem Anlass habe ich mit Torsten ein Interview geführt, um irgendwie dieser Flut an kreativer Energie Herr zu werden. Mal sehen, ob das gelingt.

01

 

Torsten, Du bist aktives Mitglied im Ambient Circle, machst „Klänge für die Seele“ in der Dormunder Pauluskirche mit, Du hast Musik unter TMA laufen, bist Mitglied im Ensemble Sternentraumreise und dann noch TMA and Friends. Du bist sehr aktiv, machst viel, bewegst viel …

… ja, ich bin sehr aktiv und ständig offen für Neues.

Musik bestimmt mein Leben schon seit mehr als 30 Jahren. Ich strecke meine Fühler in alle Richtungen aus. Zum Beispiel das Projekt Sternentraumreise, das Martin Rohleder und ich zusammen mit dem Paderborner Duo Naviara entwickelt haben. Ein Märchen, geschrieben von Vera M. van Bergh mit Geschichte und Gesang, sowie sehr facettenreicher Musik, das für Planetarien entwickelt wurde. Oder auch mein spontaner Gastauftritt beim Konzert von Glenn Main Henricksen in Dortmund. Er bat mich für einige Stücke mit auf die Bühne und ich sagte spontan zu.

Der Name TMA and Friends suggeriert ja schon, dass die Formation auf Deine Initiative hervor ging. Wie ist das gekommen? Wie habt ihr euch gefunden?

TMA and Friends ist entstanden aus verschiedenen Kollaborationen. Zum einen aus meiner langjährigen Zusammenarbeit mit meinem Freund und Gitarristen Martin „Martinson“ Rohleder, der mich bei vielen meiner Produktionen begleitet. Zum Zweiten aus Wolfgang Barkowski „Alien Nature“, mit dem ich auch schon zwei Alben veröffentlicht habe. Und zu guter Letzt aus Thomas „Tommy“ Betzler an den Drums und Percussions. Tommy hatte ich auf einem Festival kennen gelernt, als er mit Picture Palace Music zusammen auftrat. Ich fragte ihn spontan, ob er Lust hätte zusammen mit mir was zu machen. Das „and Friends“ entstand daraus, dass ich es mir auch offen halten konnte, dieses Projekt noch mit weiteren Musikern zu erweitern. TMA ist in gewisser Weise eine Marke in unserer Szene, die ich dadurch weiterleben lassen wollte.

12

 

Ein großer Teil des Konzerts war deutlich rockiger als man es von typischen Konzerten der deutschen EM-Szene gewohnt ist. Ist das eine logische Entwicklung für Dich? Wo hast Du selber Deine musikalischen Wurzeln?

Ja, das war ein ganz bewusst gewählter Schritt. Ich habe lange Zeit die sogenannte „Berliner Schule“ verfolgt und möchte mich ein wenig davon distanzieren. Meine Musik wird immer einen festen Bestandteil an typischen Berliner-Sequenzen enthalten, aber ich möchte auch gerne einen Bogen schlagen und andere Stile einbinden. Das macht für mich den Reiz und Spannung aus. Ich sehe den Weg zur progressiveren elektronischen Musik als meine persönliche Weiterentwicklung. Berliner Schüler gibt es zuhauf in unserer Szene. Ich möchte mich davon etwas abheben und auch noch ein neues zusätzliches Publikum ansprechen.

Meine Wurzeln liegen auch nicht, wie vielleicht vermutet, bei Tangerine Dream und Klaus Schulze, sondern viel mehr in dem Synth-Pop der 1980er Jahre. Gary Numan, Thomas Dolby, John Foxx und auch die frühen Human League haben mich maßgeblich beeinflusst. Tangerine Dream kamen bei mir erst viel später zum Tragen.

Die Stücke auf dem über zweistündigen Konzert sind nicht alle von Dir. Wer hat noch dazu beigetragen, und wie habt ihr die Auswahl getroffen?

Das ist richtig. Da TMA and Friends ja aus verschiedenen Kollaborationen entstanden ist, habe ich mehrere Stücke meiner Mitmusiker mit ins Programm aufgenommen, um auch ihnen eine Plattform zu bieten. Es soll ja auch keine One-Man-Show werden. Ein Drittel der Titel waren von meinem Freund Wolfgang Barkowski. Wir nahmen Stücke aus seinem letzen Release The Airtight Garage Of Jerry Cornelius, sowie auch neue Tracks, die er extra für TMA and Friends komponiert hatte. Sie passten wunderbar ins Set und wurden von uns so umarrangiert, dass sie zu viert spielbar waren und in das rockige Konzept passten. Martin Rohleder steuerte einen Track bei den er für unser Seitenprojekt Sternentraumreise komponiert hatte. Alle anderen Stücke waren neue und alte Stücke von TMA, sowie Kompositionen für die Sternentraumreise von mir. Die Endauswahl und das Set habe ich dann zusammengestellt.

Das Konzert war gut besucht. So, wie ich es gesehen habe, waren alle Plätze besetzt. Ein voller Erfolg?

Definitiv. Es hat mir damit auch unseren Stellenwert in der Szene aufgezeigt und dass ich mit meinem Entschluss, meinen Kurs auch in andere Gewässer zu steuern, richtig liege. Wir haben dieses Konzert in Eigenregie aufgeführt und wurden mit einem vollen Haus beglückt. Vielen Dank an alle Zuhörer, die den Weg zu uns nach Solingen gefunden haben.

03

 

Inwieweit hat der Ort, die Galerie „Pest Projekt“ von Peter Amann in den Güterhallen, dazu beigetragen?

Ich weiß nicht, wie bekannt das Atelier „Pest Projekt“ von Peter ist, aber es ist ein wunderbarer Ort um Musik dort wirken zu lassen. In den Güterhallen fanden ja schon viele Konzerte statt. Peters Atelier hat eine Aura, die ihresgleichen sucht. Ich bin sehr glücklich darüber, dass er uns die Möglichkeit gab, seine Räumlichkeiten dafür zu nutzen. Es ist nicht zu klein, aber auch nicht zu groß, und gibt einem das Gefühl von Heimeligkeit.

Das Konzert wurde mehrspurig aufgezeichnet, und mit insgesamt sieben Kameras gefilmt. Werden wir eines Tages eine CD, oder vielleicht sogar eine DVD von dem Ereignis bekommen können?

Als Erstes wird eine Doppel-CD mit dem gesamten Konzert auf dem Syngate Label erscheinen. Ich habe die Audiospuren abgemischt und fertig gemastert. Alle Sachen liegen bei Syngate vor. Die Veröffentlichung steht bald an. An der DVD, die wir bei „popular demand“ gerne auch noch veröffentlichen, wird noch gearbeitet. Sebastian Hirsch, der zusammen mit seiner Frau Vera die Audio- und Videotechnik übernommen hat, fügt alles fleißig zusammen. Man darf gespannt sein.

Welche Pläne haben TMA and Friends für die Zukunft? Wird es weitere Auftritte in einem ähnlichen Rahmen geben?

2015 habe ich mir einige Ziele gesetzt, die ich erfüllen möchte. Zum Einen möchte ich mein erstes Ambient Album veröffentlichen. Zum Anderen startet mein neues Bandprojekt zusammen mit Martin Rohleder und Andreas Aulke an den Drums, auf das ich vorrangig mein Augenmerk richten werde. Dafür ist schon das erste Konzert geplant. Es findet am 13. Juni 2015 im Schloß Eving statt. Das Schloß Eving beheimatet das Archiv für populäre Musik im Ruhrgebiet e.V., unter dessen Feder das Konzert veranstaltet wird. Für Anfang 2016 ist auch ein Konzert in der Dortmunder Pauluskirche und Kultur bestätigt. Auch schwebt mir eine Zusammenarbeit mit der Koreanischen Musikerin Nam Sook Kim-Bücker vor, mit der ich schon mehrfach bei der „Klänge für die Seele“-Serie in der Pauluskirche Dortmund zusammen gespielt habe. Sie spielt ein klassisches koreanisches Saiteninstrument namens Gayagum und singt koreanische Volkslieder. Das wollen wir gerne mit elektronischen Klangerzeugern verbinden. Mal sehen was die Zukunft bringt.

 

Eine letzte Frage. Du stehst dort mit drei Freunden auf einer stimmungsvoll ausgeleuchteten Bühne und ihr spielt eure eigenen Stücke in einer einzigartigen Galerie, die über die Grenzen der Stadt bekannt ist, vor einem begeisterten Publikum, das den Zuschauerbereich vollkommen ausfüllt. Kein Platz ist frei geblieben. Wie fühlt sich das für Dich an?

Um ehrlich zu sein und zu bleiben, großartig. Ich liebe das Livespiel. Gehe förmlich darin auf, was man mir auch wohl ansieht, wenn ich an die Zuschauerreaktionen denke, die ich anschließend bekam. Ich möchte abliefern und den Leuten einen tollen Abend bereiten. Sie bezahlen schließlich Geld dafür und sollen dafür auch die entsprechende Gegenleistung bekommen. Ich könnte mich nie hinter einer Burg verstecken und meinen Kopf in einen Laptop stecken. Das ist nicht meine Art Musik zu präsentieren.

Danke für das Gespräch, Torsten.


Torsten Abel müde? Kann ich nicht erkennen. Eine Rückfrage bei dem Label Syngate ergab übrigens, dass der Veröffentlichungstermin für die Doppel-CD noch nicht feststeht, dass es aber definitiv noch im ersten Halbjahr 2015 sein wird.

Torsten Abel im Internet und auf Facebook
TMA auf Syngate
Bilder von Anke Betzler und Sebastian Hirsch.

Auf der zur Veröffentlichung anstehenden Doppel-CD werden diese Tracks sein:

CD 1
01. Childrens Eyes 6:07
02. Room No. 6 8:00
03. Modulus IV 15:00
04. Wechselspiel 7:58
05. Lifeforms 6:02
06. The Motionless Bird 7:16
total: 50:23

CD 2
01. The Enigma 10:09
02. Centaurus A 10:28
03. Things To Come 8:07
04. Sunset On The Beach 8:10
05. Der Weg Wohin 9:33
06. Arpwelt 10:05
07. Circular Movement 10:21
08. Top Sigrid 6:35
total: 73:28

1,185 total views, 4 views today