Yog Sothoth | Prehistoric Dawn

Vor knapp zwei Jahren habe ich eine allererste Rezension für das noch in den Wehen liegende Projekt „Flächenklang“ geschrieben. Der Titel des Albums war geradezu prophetisch …

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Zu den hohen Zeiten eines Edgar Froese, Evangelos Odysseas Papathanassiou oder Jean-Michel Jahre, waren Synthesizer neu, die Keyboard-Burgen riesig, und die Sounds einfach nur spektakulär. Heute kommen Synthesizer in CD-Produktionen zwölf auf ein Dutzend. Will sagen: Jeder hat einen, jeder nutzt ihn. Synthesizer sind musikalisches Tagesgeschäft geworden. Der Zauber des Neuen hat sich stark abgenutzt. Trotzdem (oder gerade deswegen) machen sich manche aus der Zunft der Elektronik-Musiker mutig auf den Weg, um den damaligen Reiz der ungewöhnlichen Klänge mit, nun ja … ungewöhnlichen Klängen wieder aufleben zu lassen. Das gelingt manchmal gut, oft auch schlecht. Yog Sothot widersteht mit seinem ersten Album Prehistoric Dawn dieser Versuchung.

Wäre Michael Wilkes, der hinter diesem ungewöhnlich klingenden Pseudonym steht, ein langhaariger Metalgitarrist, würde man seine Premiere schlicht als handwerklich straight forward bezeichnen. Und zwar zurecht. Es gibt keine unnötigen Schnörkel und keinen peinlichen Soundklamauk, sondern ganz klassische elektronische Musik. Der Schuster bleibt bei seinen Leisten. Er hat ja auch schon einige Übung darin.

Der Kölner Wilkes spielt seit 1991 elektronische Instrumente, hat aber erst 2012 sein Debüt auf CD vorgestellt. Die 11 Stücke auf der CD sind inspiriert von dem Gedanken, dass Reisende aus dem All die Erde vor Jahrtausenden besucht, und so die Morgendämmerung der Menschheit einleiteten: Den Prehistoric Dawn. Das Pseudonym Yog Sothoth hingegen ist eine fiktive Figur. In den Büchern von H. P. Lovecraft ist er ein Wächter, bzw. „Der Schlüssel zum Tor wo die Sphären sich treffen“. Und so schließt Wilkes den Kreis zu den am Anfang erwähnten elektronischen Musik-Pionieren, die mit ihren sphärischen Klängen den Einlass in eine neue akustische Welt öffneten, und so etwas vollkommen Neues schufen.

Genug des Pathos‘. Michael Wilkes ist vom Schallwende e. V. als Newcomer 2011 ausgezeichnet worden. Punkt. Und wer sich die CD anhört wird die Wahl gerne bestätigen. Die Tracks perlen leicht, ja schwerelos aus den Boxen und drängen sich nicht auf. Nimmt man sie dann unter dem Kopfhörer noch mal ran, eröffnen sich Welten voller schöner Details. Perfekt wird das Album durch Bernd Scholls exzellentem Mastering in seinem überarbeiteten Skyflight-Studio II.

Gibt es bei all dem Lob auch ein Haar in der Suppe? Vielleicht. Prehistoric Dawn ist Musik für jeden Tag. Gutes, sauberes Handwerk. Was mir fehlt sind die 10% Kunst, die aus gutem Handwerk ein Meisterstück macht. Die kleine Verrücktheit, die unerwartete Wendung. Nun, dies ist ein Debütalbum. Weitere werden (hoffentlich) folgen. Würde Yog Sothoth es anders herum machen, also 90% verrückter Kram bei 10% Handwerk, dann wäre das Ergebnis schlicht unerträglich. Aber so rum kann man sich auf das nächste Album freuen, und erleben was sich Wunderbares aus dieser „Morgendämmerung“ entwickelt.

Der Grundstein ist gelegt. Wir sind noch ganz am Anfang …

Prehistoric Dawn bei MellowJet Records oder bei Bandcamp kaufen
Yog Sothot im Internet
Mystical Light ist ein Gemeinschaftsprojekt von Michael Wilkes mit André Willms

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