Interview mit M.O.B.S.

Es hatte schon was von einem Agententhriller. Ich durfte ein Interview mit dem „Man of Berlin School“ führen. Schriftlich. Kilian von Syngate hat es möglich gemacht …

unbekanntOk, das ist mein erstes Interview überhaupt. Ich hatte eine Menge Fragen, wollte aber den Bogen nicht überspannen. Und dann ist da ja noch der Wunsch nach (vorübergehender?) Anonymität, den ich gerne respektieren wollte. Also Fragen nach früheren Alben, Bandmitgliedern oder Auftritten waren dementsprechend unpassend. Blieb also nicht mehr viel übrig. Mal sehen, ob es die richtigen Fragen sind …

Los geht’s.

Flächenklang: Als »Mann der Berliner Schule« kannst Du uns sicher etwas dazu sagen, was die Berliner Schule im Jahr 2014 ausmacht und wie sie sich von den anderen aktuellen Spielarten der elektronischen Musik unterscheidet.

MOBS: Die Musik der Berliner Schule ist geprägt durch die in den 70er Jahren zur Verfügung stehenden Instrumente und Controller und den damit verbundenen Sounds und Möglichkeiten. Original ist Original, 70er Jahre ist 70er Jahre und 2014 ist 2014! Bis auf wenige Ausnahmen gibt es kaum noch „richtige Berliner Schule Musik“. Diese kommt heute meist von denen, die mit dem entsprechenden Equipment arbeiten – Modularsysteme, Step-Sequenzer u.s.w.

Die aktuelle elektronische Musik ist aufgrund der Möglichkeiten vielfältiger geworden – was aber kein Nachteil darstellt! Jedoch sind Sounds und Arbeitsweisen Geschmacksache. Die einen arbeiten mit Keyboards und nehmen den PC zur Hilfe, die anderen arbeiten mit dem PC und nehmen die Keyboards zur Hilfe…

Ich habe Synthesizer und Sequenzer „von klein auf“ kennengelernt und fühle mich deshalb der Berliner Schule verbunden.

Es scheinen mir im Umfeld von »Aus dem Nichts…« genügend Anspielungen zu Douglas N. Adams Romanen »Per Anhalter durch die Galaxis« zu geben. Und damit meine ich nicht nur die 42. Inwieweit haben Dich die Anhalter-Geschichten berührt oder gar beeinflusst?

Gar nicht! Es musste eine Zahl für die Limitierung her! Da sah ich meine Schuhgröße und schon stand die 42! Oder war es doch die Sache mit dem Tramper? Oder einfach der Tipp eines Freundes? 

Die Titel des Albums sind mit Entstehung, Leben und Abschied durchaus als umfassend zu beschreiben. Und der Zusatztrack Zukunft geht sogar darüber hinaus. Welches Thema hat Dich zu den Namen und der Musik inspiriert?

Die Initialzündung war Track 1! Ich schraubte noch sehr spät abends im Studio am System rum und die Sequenz fing an, durch die Filter an zu leben. Ich wollte eigentlich den Tag beenden… aber dann drehte ich alle Geräte an und wie aus dem nichts entstand Track 1. Er entstand in der typischen alten Manier – rein improvisiert, ohne Planung, vielleicht einmalig… Das war der Anfang, die Entstehung der Idee, daraus ein Album zu machen.

Track 2 ist auch über Nacht entstanden und war in meinen Ohren so abwechslungsreich wie ein Leben. Die Gitarre, das Delay, die Flächen, Rhythmus… das hat für mich was Lebendiges. Wer seine Mitte gefunden hat, der lebt!

Track 3 lässt das Leben quasi ausklingen. Wenn der sog. Lebensabend kommt, dann wird alles naturgemäß ruhiger – was nicht bedeutet, dass es dann keine Action und keine Bewegung mehr gibt!! Im Idealfall klingt das Leben in Ruhe und harmonisch aus. Und dann heißt es halt sich zu verabschieden…

Track 4 ist ein Ausblick auf das Danach, ein Blick in die Zukunft… Gibt es „etwas“ nach unserem Dasein? Oder bleibt nur das, was wir während des Lebens geschaffen haben?

Fakt ist: Track 4 wird ab der 42sten CD verschwunden sein… Aber wer weiß? Vielleicht gibt es ja eine Wiedergeburt….

Werden wir weitere Alben vom Man of Berlin School zu hören bekommen – und sind Auftritte mit dem Material geplant? Oder war »Aus dem Nichts…« ein einmaliges Projekt?

So, wie es für „Aus dem Nichts“ keinen Plan gab, so gibt es auch keinen Plan für weitere Aktivitäten. Aber ich bin immer offen für Neues!  Allerdings hängt es ja nicht von mir alleine ab! Syngate wird einem Ladenhüter keinen weiteren folgen lassen!

Sollte meine Musik jedoch Freunde finden, so mag es auch ein weiteres Album geben. Das ist dann eine Gelegenheit, Track 4 wieder aufleben zu lassen (in welcher Variante auch immer…) – dann wird quasi die Zukunft Realität.

Danke für das kurze Interview.


Das Interview führte Thomas Götze mit, äh … MOBS.
Aus dem Nichts… Rezension

607 total views, 2 views today